Die Reise von Bukit Lawang über Medan nach Parapat am Toba See gestaltete sich unkomplizierter als gedacht. Nachdem wir auf dem Weg bis Medan vier Stunden lang in Schlaglöchern, groß wie Bombenkrater durchgeschüttelt wurden, waren wir eigentlich bereit für eine warme Badewanne. Jedoch in Medan hieß es erst einmal vom nördlichen zum südlichen Busterminal wechseln. Was kompliziert klingt, ist eigentlich recht einfach. überall, wo ein öffentliches Verkehrsmittel Touristen ausspuckt, sind schnell einige Jungs zur Stelle, die mit einer Art hellseherischem Gespür bereits wissen, in welche Richtung man möchte. Entsprechend eifrig wird man daher von einem zum anderen Bus bugsiert, ehe man weiß, wie einem geschieht. Bei ganz eifrigen Zeitgenossen, wird sogar schnell das Gepäck des betreffenden Touristen genommen und hurtig zum nächsten Bus transportiert. Bei dieser Art des Umsteigens, die eigentlich eher einem Raubüberfall ähnelt, bleibt einem nichts anderes übrig, als seinem Gepäck hinterher zu rennen. Derjenige, der es tatsächlich schafft, in dieser Situation sein Gepäck und seinen überblick zu behalten um sich in Ruhe nach dem nächsten Bus zu erkundigen...... ... vergessen wir diesen Gedanken.

Sumatra

In der beschriebenen Art und Weise erfolgte also auch das Umsteigen in den kleinen Lokalbus in Medan und natürlich auch das Umsteigen in den großen überlandbus nach Parapat eine Stunde später. Und schneller als wir es gedacht hatten, waren wir unterwegs auf dem Trans-Sumatran-Highway nach Süden. Bei dem Begriff Trans-Sumatran-Highway sollte man nicht den Fehler begehen, an eine deutsche Autobahn oder gar einen vielspurigen amerikanischen Highway zu denken. Zwar ist er im direkten Einzugsbereich der Großstadt Medan tatsächlich vierspurig und mautpflichtig, was aber noch lange nicht heißt, dass sich dort keine Fußgänger und Radfahrer tummeln oder keine weiteren Fahrgäste aufgenommen werden. Außerhalb dieses Bereichs wird der Highway dann wieder nominell zweispurig, jedoch weiterhin vierspurig genutzt, und ihn mit einer BundesStraße zu vergleichen wäre bereits sehr geschmeichelt. Dank unseres Busfahrers, der wegen seiner hohen Risikobereitschaft und aggressiven Fahrweise von der Formel Eins ausgeschlossen wurde, erreichten wir das Ziel Parapat bereits nach kurzen vier Stunden. (Was uns im Nachhinein keiner der Einheimischen glauben wollte.)

Von Parapat am Ufer des Toba Sees gilt es jetzt lediglich noch die passende Fähre zu ergattern um vor Einbruch der Dunkelheit auf der kleinen Halbinsel Tuk-Tuk anzukommen, wo sich das touristische Leben abspielt. Dass dieses Umsteigen auch kein Problem mehr darstellt, kann sich der Leser denken.

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Tuk-Tuk war in den 90er Jahren eine Art touristisches Zentrum in Sumatra. Der ca. 900 Meter hoch gelegene Toba See bietet ein angenehm kühleres Klima und ist wunderschön in die umgebende Berglandschaft eingebettet. Die Unterkünfte sind durchweg sehr gut und günstig, was teilweise damit begründet wird, dass die Betreiber hier ihr Wasser aus dem See beziehen und es nicht wie anderorts für teures Geld kaufen müssen. Wir verbrachten unsere Zeit im "Bagus Bay and Restaurant", das wir uneingeschränkt empfehlen können. Die Infrastruktur auf Tuk-Tuk ist bereits der von Bali sehr ähnlich, mit dem Unterschied, dass sie nur noch von sehr wenigen Touristen genutzt wird. Der Rückgang des Touristenstroms hat vermutlich viel mit den vergangenen Unruhen in Aceh und auch mit dem Tsunami zu tun, obwohl der Toba See geografisch mit Aceh und Nord Sumatra überhaupt nichts zu tun hat. Der Grossteil der am See seit Jahrhunderten angesiedelten Batak sind Christen. Noch im 18. Jahrhundert berichtete man, dass die Batak trotz einer hoch entwickelten Kultur Kannibalen waren. Das heute so friedliebende Bergvolk lebte damals quasi mit jedem benachbarten Dorf im Kriegszustand. Feinde oder Gesetzesbrecher wurden zunächst vom ältestenrat des jeweiligen Dorfes in ein Gefängnis gesteckt und einige Tage später auf rituelle Art und Weise geköpft. Das Fleisch des frischen Leichnams wurde anschließend vom Rat der ältesten verzehrt. Dieser für uns unappetitliche Brauch entwickelte sich später zu der äußerst leckeren lokalen Küche der Batak und die einzelnen Spezialitäten kann man furchtlos genießen.

Wenn man nicht zwischen Bungalow und See hin und herpendelt oder im Restaurant der Anlage bei chilliger Musik ein kühles Helles trinkt, dann kann man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit einem Moped die Insel und die umliegenden Berge erkunden. Dort von hoch oben erhält man fantastische Blicke über den See und die umgebende Landschaft. Hin und wieder findet man ein altes Dorf, das in ein kleines Museum umgewandelt wurde und man kann sich die traditionellen Häuser ansehen und sich von einem äußerst engagierten Fuehrer in sehr blumigen Schilderungen das Ritual der Hinrichtungen erzählen lassen. Die Batak sind traditionell bekannt für ihre Holzschnitzereien. In entsprechend großer Zahl werden diese dem interessierten Touristen zum Kauf feilgeboten. Grosse Einkäufe, wie z.B. eine neue Wohnzimmereinrichtung können problemlos mit der Post nach Hause geschickt werden.

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Trotz aller Schönheit und der entspannenden Stimmung am Toba See, war uns auch hier das Wetter nicht hold. Und nach bereits vier Tagen entschlossen wir uns zur Weiterreise nach Berastagi ins Hochland. Der vierstündige Trip ist wiederum mit 3mal umsteigen zu bewältigen und birgt keine besonderen Herausforderungen. In Berastagi erwartete uns dann wieder graues, trübes Regenwetter mit Temperaturen teilweise unter 20 Grad, da die Stadt auf 1400 Metern Höhe liegt. Wir entschlossen uns, dem Wetter Paroli zu bieten und am nächsten Tag den Aufstieg zum 2095 Meter hohen Gunung Sibayak zu machen. Der Sibayak gilt als einer der am einfachsten zu besteigenden Vulkane in Indonesien. Während des Aufstiegs kam dann auch die Sonne heraus und die Wolken verzogen sich etwas. Der Aufstieg ist tatsächlich sehr einfach, jedoch in der Gipfelregion zeigt sich der Sibayak wie ein richtig echter Vulkan. Er zischt, dampft und verbreitet den Gestank von fauligen Eiern. Im Vulkankrater befindet sich ein kleiner See, dessen Wasser wegen des hohen Schwefelgehalts als besonders gesund gilt. (Bei äußerer Anwendung natürlich).Von oben bietet sich ein grandioser Blick in die Bergwelt der Umgebung und herunter auf die Stadt Berastagi. Nach einem rutschigen und matschigen Abstieg über die weniger genutzte Rückseite kommt man in ein kleines Dorf, das sich seiner heißen Quellen rühmt. Für 20 Cent Eintritt kann man dort seine müden Knochen eine Zeit lang in dem heißen, schwefligen Wasser ausruhen und neue Kraft tanken. Durch das ausgiebige Bad blieb uns auch das Duschen mit dem kalten Wasser in unserem Guesthouse in Berastagi erspart.

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Die Landschaft um Berastagi scheint reizvoll zu sein und würde sicherlich zu mehr ausgedehnten Spaziergängen einladen. Jedoch vertreibt uns auch hier das anhaltend schlechte und kalte Wetter und wir reisen demnächst weiter nach Ketambe, einem kleinen Ort mitten im Urwald des Gunung-Leuser-Nationalparks, der durch seine internationale Forschungsstation weltweit bekannt wurde.