In Darjeeling gibt es seit unserem letzten Besuch vor ein paar Wochen nichts neues. Somit irgendwie auch nichts neues anzusehen. Da das Wetter wie schon gesagt, sowieso ziemlich bescheiden war, die ersten beiden Tage, konnten wir unsere Aktivitaeten auf Shopping und Kaffee trinken beschränken.

Frueher oder spaeter stolpert wohl jeder Besucher von Darjeeling einmal ins „Glennary's". Ein grosses, schickes, altes Gebäude aus der englischen Kolonialzeit. Oben ein Restaurant, in der Mitte Kaffee und Konditorei und unten eine Bar. Hier kann man schon einmal locker einen grossen Teil seiner Zeit mit leckeren Torten, Muffins oder sonstigem Gepäck bei dem ein oder anderen Cappucino vertreiben. Danach lockt der Markt oder die diversen Antiquitaetenhaendler mit viel Kunsthandwerk aus Tibet. Alt oder nicht alt, echt oder nachgemacht, Schnaeppchen oder völlig ueberteuert.... hier muss jeder fuer sich das Richtige finden. Wenn vom vielen Feilschen dann der Mund trocken wird, begibt man sich einfach in einen der groesseren Tee-Shops und probiert ein paar teure Sorten durch um anschliessend kiloweise davon einzukaufen.

Nach zwei Tagen wurde allerdings dann das Wetter deutlich besser und wir hatten die Gelegenheit an einem echten Jeep-Rennen teilzunehmen. Jeden Morgen gegen 4 Uhr, bei guter Sicht, werden tausende von Touristen von hunderten von Jeeps aus Darjeeling raus auf den Tiger-Hill gebracht. Im Schnitt kommt man gut eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang dort an, man haette also genuegend Zeit, sich einen guten Platz zu suchen, auch wenn es fuer so viele Menschen teilweise etwas eng wird. Trotzdem kaempfen die Jeepfahrer auf dieser Strecke um jeden Meter und um jeden Platz nur um spaeter festzustellen, dass sie total inneinander verkeilt auf dem schmalen Weg dastehen und jetzt, waehrend ihre Kundschaft das Spektakel des Sonnenaufgangs ansieht, versuchen muessen, wieder umzudrehen.

Oben auf dem Huegel - was heisst Huegel - eine Aussichtsplattform aus Beton mit separatem Aussichtsturm, aber der kostet extra - geht eine grosses Raunen durch die Menge, wenn die Sonne langsam ueber den Horizont lugt. Ausnahmslos alle stehen in diesem Moment dort und gucken Richtung Osten, bis der erste bemerkt, dass ja die Sonne nun eigentlich auf die Berge scheint und dass das ja eigentlich der Grund war, weshalb man so frueh aufgestanden ist. Und so eilen nun um die tausend Inder von einer Ecke der Aussichtsplattform in die andere Ecke und man kann nur noch versuchen irgendwie vor dieser Meute sein Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. In der Sekunde, als sich alle umgedreht haben, koennte ich schwoeren, dass der Khangchendzonga ein klein wenig zusammengezuckt ist. Obwohl er es ja gewoehnt sein muesste.

Wenn dann die Sonne aufgegangen ist, hat der Spuk sehr schnell ein Ende. Alles eilt zu den Jeeps und genauso schnell, wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder weg. Und ploetzlich steht man alleine dort oben und geniesst den Ausblick - im Westen gucken drei grosse Namen ueber den Horizont - Lhotse, Makalu und Chomolungma, bei uns als Mt. Everest bekannt. Weiter geht es mit den schneebedeckten Spitzen der Three Sister Peaks, dann Kumbakarna, Kabru, Khangchendzonga mit ihren Nebengipfeln und im Osten sieht man bis hinueber nach Tibet und Bhutan.

Nach dem Abstieg zur Hauptstrasse in das kleine Staedchen Ghoom beschliessen wir mangels vorhandener Restaurants, erst mal ein kleines Kloster zu besichtigen. Dort gibt es prompt auch einen kleinen Coffeeshop (es lebe der Pauschaltourismus) und einen Moench, der, nachdem er unsere Herkunft erfaehrt, aufzaehlt, welche Sehenswuerdigkeiten er in Bayern schon alle gesehen hat und der ein Poster der deutschen Fussballnationalmannschaft in seinem kleinen Coffeeshop haengen hat. Das Kloster hat offenbar mehrere Ableger, darunter einen im Ruhrgebiet und hin und wieder gibt es fuer die Moenche so die Gelegenheit, andere Laender zu besuchen. Der Leiter dieses Klosters - ich habe tatsaechlich den Namen nirgendwo aufgeschrieben - ist im uebrigen fuenf Jahre alt und lebt in den USA. Die treiben's ganz schoen bunt manchmal, die Reinkarnationen der Lamas.

Im Anschluss daran wandern wir weiter Richtung Darjeeling. Auf der Hauptstrasse ist das vielleicht nicht unbedingt wahnsinnig angenehm, aber man sieht viel mehr als mit einem Taxi. Und so gucken wir uns im Laufe der Zeit noch ein paar Kloester und auch noch zwei Hindutempel an, bis wir wieder an einer der Hauptattraktionen Darjeelings landen, am Batasia Loop. Der Batasia Loop ist ein Abschnitt auf der Strecke der Schmalspurbahn, die Darjeeling mit Siliguri verbindet und die auch heute noch zum Teil mit Dampfloks betrieben wird. Dieser Loop ist eigentlich ein Kreisel, eine Schleife, wo sich das Gleis einmal kreuzt, wodurch der Zug in der Lage ist die starke Steigung zu bewaeltigen. Das Besondere am Batasia Loop ist, dass der Zug direkt vor dem Himalayapanorama vorbeifaehrt. Fuer Dampflokfans ist das sicherlich ein absolutes Highlight.

An einem weiteren Tag unternahmen wir einen kleinen Spaziergang um die Nordspitze der Huegelkette von Darjeeling. Man kommt hier zuerst am Zoo vorbei und geht danach durch einige ruhige und abgeschiedene Vororte und durch schoene Landschaft, bis man auf der anderen Seite des Grats wieder zurueck kommt. Auf Hoehe des Zoos befindet sich die Zuchtstation fuer Schneeleoparden, die der Oeffentlichkeit nicht zugaenglich ist. Trotz einiger Bemuehungen bei unserem ersten Besuch, an diesem Tag und auch spaeter nochmal ist es uns leider nicht gelungen von „Oeffentlichkeit" zu „official visitor" zu mutieren. Man ist dort mittlerweile ziemlich rigoros.

Weiter um die Ecke trifft man auf ein paar Felsen, die das HMI (Himalayan Mountaineering Institute) als Uebungsfelsen gebraucht und die gleichzeitig auch als Attraktion fuer Eltern mit Kindern fungieren. Dem Kind wird ein Strick um den Bauch gebunden und es darf seine ersten hochalpinen Versuche unternehmen, waehrend die Eltern bei einer Tasse Tee zusehen. An der steilen und auch recht hohen Seite des Felsens war allerdings leider niemand dabei zu trainieren.

Zurueck in Darjeeling lohnt sich noch ein Abstecher im Selbsthilfezentrum fuer tibetische Fluechtlinge. In einigen Gebaeuden zeigen Tibeter verschiedene traditionelle Handwerkstechniken und verkaufen die Gegenstaende anschliessend. Ausserdem gibt es eine kleine Fotoausstellung mit alten Aufnahmen von Trachten. Allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass sich die juengeren Fluechtlinge reichlich wenig um diese Art der Beschaeftigung scheren. Es sind allesamt alte Menschen, die hier noch arbeiten, oder besser gesagt, die sich hier zur Schau stellen.

Nach diesen erholsamen Tagen in Darjeeling, gewohnt haben wir in dem sehr schicken „Grace Inn" oben am Grat fuer 400 Rupien die Nacht, beschlossen wir ein wenig weiterzureisen nach Kalimpong. Das Staedtchen liegt viel tiefer als Darjeeling, obgleich ebenfalls auf einem Berggrat, und ist klimatisch entsprechend milder. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt - indisch, sehr indisch. Schmutzig und viele Menschen. Dieser Eindruck sollte sich die naechsten Tage auch nicht nennenswert aendern. Unsere Unterkunft, die Crown Lodge, in direkter Naehe zum Jeep Stand, war zwar sauber und freundlich, aber Toilette in Abfahrtshocke und einmal taeglich ein Eimer heisses Wasser zum Waschen passen bei ebenfalls 400 Rupien pro Nacht nicht ins Preisgefuege. Der Preis ergibt sich vermutlich aus den Gratis Open Air Konzerten, die wir zwei Abenden nacheinander in unserem Zimmer geniessen durften. Im Stadion vor einigen hundert Zuschauern fanden zur Zeit naemlich allabendlich Konzerte fuer Nachwuchsbands aus der Umgebung statt (vermute ich mal ganz stark). Die Sicht vom Zimmer aus war nicht so gut, dafuer hoerte man alles ganz prima. Ich moechte nichts schlecht machen, die Crown Lodge ist eine Moeglichkeit, weil sie, im Vergleich zu anderen, tatsaechlich ordentlich und sauber ist. Ruhig ist sie allerdings auf gar keinen Fall.

Mein Versuch, die letzten drei Naechte in Kalimpong im Hotel „Himalayan" fuer 50 Euro die Nacht zu verbringen, wurden leider abgeblockt. Das Himalayan ist ein altehrwuerdiges (sagt man wohl so) Haus, eine uralte aber hochnoble Absteige mit schoenen alten Holzboeden, wundervoller Terrasse und tollem Ausblick auf die Berge. Schade. Stattdessen sind wir im „Cloud9" untergekommen. Sehr familiaer, sehr freundlich und sehr sauber, mit einem netten Chef, der gerne Bier trinkt und Beatles hoert. Dem oertlichen Preisniveau scheinen 800 Rupien angepasst.

Sikkim

Wir haben in Kalimpong derzeit den Eindruck die einzigen Touristen zu sein, die hier wirklich bleiben. Die Bleichgesichter die man sieht, sind allesamt aelteren Baujahrs und sie treten nur in Rudeln auf. Von solchen Rudeln wurden wir gestern ueberfallen, als wir uns das alte bhutanesische Kloster auf dem Durpin Hill ansehen wollten. Nach einstuendigem Marsch auf den Huegel wurden wir ploetzlich von einer ganzen Armada von Jeeps ueberholt, die vor dem Kloster ausgespuckt wurden. Am Eingang standen ein alter und ein junger Moench. Der Junge drehte brav eine Gebetstrommel, waehrend der Alte dekorativ danebenstand um den Fotoapparaten der Herrschaften auch ein schoenes Bild zu liefern. Gluecklicherweise wurde diese Invasion nach 30 Minuten durch den herrischen Befehlston einer deutschen Reiseleiterin beendet und die Meute zog weiter. Das sind dann so Reisen wie:"Perlen des Himalaya. Nepal, Sikkim, Bhutan: 18 Kloester in 7 Tagen".Das Kloster selbst ist sehr sehenswert, auch wenn einige Funkmasten der Armee den Eindruck trueben und ueberall die bereits bekannten „Do not touch" Schilder haengen.

Heute frueh konnten wir noch in einem anderen Kloster, Tharpa Choelling (auch Thirpai Choelling) bei der Morgenzeremonie dabeisitzen. Dieses Kloster ist nicht so beeindruckend und schoen wie viele andere, dafuer netter und freundlicher und nicht nur fuer Touristen gemacht. Die Kosten fuer das Beiwohnen der Zeremonie sind hoch: man muss eine Tasse gesalzenen Buttertee mittrinken - schmeckt so lecker wie es sich anhoert. Nach dem Fruehstueck, das mit einer Cola begann, um den Geschmack des Buttertees so schnell wie moeglich zu neutralisieren, haben wir uns noch ein weiteres bhutanesisches Kloster, Dechen Choelling, aus dem 16. Jahrhundert angesehen. Das wird zwar gerade renoviert, ist aber trotzdem sehr sehenswert.

Den Rest des Tages investieren wir heute in die Organisation der Rueckreise zum Bahnhof in Siliguri. Die Zugtickets nach Kalkutta haben wir uns schon vor einigen Tagen in Darjeeling gesichert. Zuege sind oftmals ausgebucht und solch wichtige Verbindungen waehrend der Haupturlaubszeit der Inder sollte man immer so frueh wie moeglich buchen.