Nachdem ich letzte Woche reichlich unsanft vom Internet und dem PC getrennt wurde, man hat mir einfach den Saft abgedreht, muss ich mich nun erst einmal sammeln um wieder einen Anfang zu finden.

Wir sind also in Gangtok, der Hauptstadt Sikkims. Das ist eine trotz ihrer Groesse ruhige und beschauliche Stadt in den Bergen mit dem entsprechenden, angenehmen Klima. Wir sind hierher gekommen, weil unsere Suche nach einer Agentur fuer unser Trekking bisher nicht optimal verlief. Zu den Agenturen und die Qual der Wahl werde ich aber im Anschluss noch ausfuehrlich etwas schreiben.

In Gangtok lief uns gleich am ersten Abend ein junger Mann aus Deutschland ueber den Weg, den wir sofort als kompetenten Ansprechpartner in Sachen Bergsteigen erkannten. Und wie es der Zufall dann auch wollte, kam er eben von dem Trek zurueck den wir im Auge hatten. Die Agentur, mit der er unterwegs war, war nur wenige Meter entfernt und er war im Grossen und Ganzen zufrieden. Also nichts wie hin. Nach einem kurzen Gespraech hatten wir uns mit dem Chef auf einen einigermassen vernuenftigen Preis geeinigt und den Trip gebucht. - Wie gesagt, zu den Agenturen und den Tuecken werde ich mich nachher gesondert aeussern. - Wir entschlossen uns, noch einen Abend in Gangtok zu verbringen und dann fuer zwei Tage in das nahe gelegene Rumtek umzusiedeln .

Rumtek ist bekannt fuer sein Gompa, sein Kloster, das das wohl reichste in Sikkim ist. Es wurde von einem Lama der Schwarzhutsekte gegruendet, nachdem dieser aus Tibet fliehen musste. Tagsueber ist hier allerdings die Hoelle los, wenn hunderte von Touristen, hauptsaechlich indische, das Kloster besichtigen. Das Ganze hat wenig gemein, mit der Ruhe, die wir in kleineren Kloestern bisher erlebt haben. Aus einer freiwilligen Spende wird hier ein festes Eintrittsgeld, der freundliche Moench, der einem alles zeigt wird hier ersetzt durch Wegweiser mit "Rundgang" und weil eben vieles so wertvoll und selten ist kleben ueberall Zettel mit "Fotografieren verboten" oder "Do not touch". Zu allem Ueberfluss wird das Kloster wegen seines Reichtums, unter anderem eine ca. 3 Meter hohe Stupa aus Gold, von der Armee bewacht und Moenche, die dem netten Touristen in einer schwachen Sekunde ein Foto erlauben, bekommen ueblen Aerger.

Trotzdem lohnt sich ein Besuch in Rumtek, insbesondere, wenn abends die meisten Besucher verschwunden sind. Dann wird es ruhig und man kann in einem der kleinen Imbisse mit den vielen jungen Moenchen ein Sueppchen schluerfen bevor um sechs Uhr vollends die Gehsteige hochgeklappt werden. Man koennte also bereits gegen sieben in einen friedlichen Schlummer sinken, haette sich nicht eine Spinne mittlerer Groesse ins Zimmer verirrt. Mist. Wer mich kennt, weiss, dass ich die Situation in sehr kurzer Zeit aeusserst souveraen in den Griff bekam. Zwar scheiterten anfaengliche Versuche, das Tierchen verbal von den Vorteilen der freien Natur zu ueberzeugen, so dass ich spaeter doch Gewalt anwenden musste, aber die Situation wurde geloest. Sorry, Spinne.

Einen kleinen Ausflug wert ist auf jeden Fall das alte Kloster Rumtek, das sich nur wenige Kilometer an der Strasse entlang befindet. Es wird gerade renoviert und man trifft hier niemand ausser einigen kleinen Moenchen, einem Lama und den Handwerkern. Die filigranen Malerarbeiten an der Decke der Halle, die hier gerade von drei jungen Malern ausgefuehrt wurden, sind vielleicht mit einem Fresco von Michelangelo zu vergleichen, aber trotzdem sehr beeindruckend.

Nach zwei ruhigen Tagen und naechten fuhren wir in aller Fruehe wieder zurueck nach Gangtok, von wo aus wir bei unserer Agentur einen Tagestrip zum Tsomgo Lake gebucht haben. Der See befindet sich auf ca. 3700 Metern Hoehe nur wenige Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Und weil er eben so nah bei China ist, kann man dort nicht alleine hin, sondern nur mit einer gefuehrten Tour und sowieso mal wieder nur mit Sondergenehmigung. Der See ist heilig. Warum, bleibt mir leider verschlossen, auf alle Faelle ist er nichts besonderes. Wunderschoen ist allerdings die Berglandschaft, durch die uns unserer Fahrer und unser Fuehrer chauffierten.

Der Tag im Minibus begann entspannt mit „the dark side of the moon" von Pink Floyd und einem Fahrer, der genauso relaxed fuhr. Viele Hoehenmeter und einige Stops an Wasserfaellen, Aussichtspunkten und Baustellen spaeter, kramte er dann irgendwo noch eine zweiter CD raus mit einigen Perlen der Rockmusik, bis unwillkuerlich, wie ueberall in Asien, irgendwann Scorpions lief... Egal, es war gut gemeint. Bei Wind of Change erreichten wir dann auch schon den See und machten uns auf zu einem kurzen Spaziergang. Fuer wenige Rupien kann man sich auch von einem reich geschmueckten Yak um den See tragen lassen, falls man zu faul ist selbst zu gehen.

Sikkim

Nach einer Stunde Spaziergang und der Erkenntnis, dass der Wind auf dieser Hoehe ganz schoen kalt ist, goennten wir uns noch ein Sueppchen und fuhren dann zurueck ins Tal. Kurz vor Gangtok zeigte uns unser Fuehrer noch zwei Aussichtspunkte, beides gleichzeitig Hindutempel, den Hanuman Tok und den Ganesh Tok. Die Tempel sind in beiden Faellen wenig interessant, jedoch die Aussicht auf die Kette des Khangchendzonga (ich hab mittlerweile die korrekte Schreibweise gefunden) ist sehr beeindruckend. Unser Guide, nach eigenen Angaben Bhuddist warf sich in dem Hanumantempel erst mal auf den Boden und betete. Als ich ihn danach ansprach, wieso er das mache, erklaerte er mir, die meisten Menschen hier seien „Allrounder". Auch eine Religionsauffassung.

Abends goennten wir uns nochmal das „Masala" in der Fussgaengerzone und freuten uns bereits auf die Fahrt nach Yuksom am naechsten Morgen. Keine Frage, die Fahrt war wieder, wie alle Transporte in Sikkim, reichlich anstrengend. Es ist kaum moeglich einen schnelleren Schnitt als 20 km/h zu schaffen, so dass man fuer knappe 100 km also gute 5 Stunden einrechnen sollte. Yuksom ist ein wirklich kleines Kaff, das nochmal einige Kilometer naeher am Khangchendzonga liegt, als zuvor Pelling. Man sieht allerdings von dort aus quasi gar nichts, da es in einem engen Tal eingezwaengt da liegt. Trotz der geringen Groesse sahen wir dort auf einen Schlag mehr Touristen, als im ganzen Urlaub sonst zusammen. Yuksom ist der Ausgangspunkt fuer den Trek zum 5000 Meter hoch gelegenen Goecha La und entsprechend trifft sich hier erst mal alles, was in die Berge moechte. Sanjit, unser Guide, organisierte uns an diesem Abend noch 3 Dzo's - so nennt man die Mischung aus Yaks und Hausrindern - und einen Traeger. Dzo' s haben den Vorteil, dass man sie auch in geringeren Hoehen verwenden kann (also ab ca. 2000 Metern), waehrend echte Yaks auf Hoehen ab 3500 Metern kalibriert sind. Allerdings sind Dzo's nicht ganz so cool wie echte Yaks, dafuer stinken sie aber auch nicht so. Untergebracht waren wir fuer diese erste Nacht im Hotel Dragon. Die Zimmer fuer 250 Rupien sind absolut sauber und nett, allerdings muss man sich Bad und WC mit den anderen Gaesten teilen. Als Aufenthaltsraum und Esszimmer dienen das Wohnzimmer der Familie bzw. die Kueche, was das ganze sehr heimelig macht.