In Indien anzukommen ist eigentlich immer das selbe. Notgedrungen kommt man immer in einer Grossstadt an. In unserem Fall war das diesmal Kalkutta. Einen kleinen Vorteil hatten wir diesmal, wir kamen nicht mitten in der Nacht an, sondern morgens, so dass wir den ganzen Tag noch vor uns hatten. Im Prinzip ist Kalkutta genau wie andere indische Grossstaedte, schmutzig, dreckig, stinkend und voller Menschen und deren Fahrzeugen. Bei Kalkutta hatte ich jedoch den Eindruck, dass es alle anderen, mir bekannten Staedte nochmal um Laengen hinter sich laesst.

Nach einer zweistuendigen Taxifahrt vom Flughafen, was uebrigens durch die Prepaid-Schalter in der Ankunftshalle angenehm unkompliziert funktioniert, kamen wir in der Sudderstreet, dem Travellerzentrum in Kalkutta an. Wir nahmen uns fuer den Tag ueber ein Zimmer um uns zur Not noch ausruhen zu koennen und zogen dann sofort los, um ein Zugticket nach Siliguri zu reservieren um dann von dort aus direkt nach Darjeeling in die Berge weiterzureisen.

Die "guenstigen" Unterkuenfte in Kalkutta haben alles etwas gemeinsam: sie sind dreckig und nicht guenstig. Fuer die Belegung des Zimmers im Hotel Maria berechnete man uns 300 Rupien, was ungefaehr 5 Euro entspricht. Dafuer musste man sich allerdings zum Duschen ueberwinden und auf dem Bett dringend etwas unterlegen um sich ausruhen zu koennen. Der Bitte um einen Wechsel der Bettwaesche wurde zwar vom Hotelmanagement sofort entsprochen, jedoch war die gewechselte Waesche genauso dreckig, wie die vorige. Wer laenger als einen Tag in Kalkutta weilt, dem wuerde ich dringend empfehlen, einige Rupien mehr zu berappen, aber dafuer ein einigermassen vernuenftiges Zimmer zu erhalten. Einen guten Eindruck machte noch das YMCA in der Naehe der Sudder Street, das wir uns im Laufe des Tages noch angesehen haben.

Ob es in Kalkutta sehenswertes gibt, kann ich leider nicht sagen. Wir stromerten an diesem Tag etwas durch die Basare und ruhten uns einige Stunden aus um dann um 18 Uhr mit ein paar Stunden Verspaetung doch noch unser Ticket fuer den Nachtzug zu erhalten. Eine Stunde spaeter waren wir dann ueberpuenktlich am Bahnhof und warteten auf unseren Zug. Der hatte es allerdings mit der Puenktlichkeit nicht so, den er kam wegen eines Unfalles insgesamt 6! Stunden zu spaet, was wir aber natuerlich anfangs nicht wussten, sondern erst kurz vor dem tatsaechlichen Eintreffen des Zuges erfuhren.

Die indischen Nachtzuege (second class Sleeper) sind meiner Meinung nach die allerbeste Variante um grosse Strecken zurueckzulegen. In offenen Abteilen liegen immer auf jeder Seite drei Betten uebereinander. Auf der Gangseite gibt es dann nochmals zwei Betten uebereinander. Man kann hierbei zwei Fehler machen (eigentlich sind es drei). Erstens, man liegt zu nah am Ende des Wagons und damit nahe an den Toiletten. Dann weht einem unwillkuerlich alle fuenf Mintuen ein Hauch von Urin in die Nase. Also lieber in der Mitte des Zuges reservieren. Zweitens, man hat einen Platz auf der untersten Pritsche reserviert. Die unterste Pritsche wird immer gerne von Indern benutzt, die selbst keinen reservierten Platz haben, egal, ob Du dort liegst und versuchst zu schlafen oder nicht. Fehler drei hat viel mit Fehler eins gemeinsam. Man sollte auf alle Faelle versuchen, seine Verdauung so zu steuern, dass man nicht, auf gar keinen Umstaenden, in die Verlegenheit kommt, in einem solchen Langstreckenzug die Toilette benutzen zu muessen. Wir lagen diesmal lediglich ein wenig zu nah an der Toilette, hatten aber die beiden oberen Pritschen und konnten unsere Rucksaecke dazulegen, so dass wir mehr oder minder gut einige Stunden bis Siliguri schlafen konnten.

Ab Siliguri geht es dann auf Strassen weiter. Man koennte zwar die beruehmte Schmalspurbahn nach Darjeeling nehmen, die braucht allerdings nochmal 10 Stunden und dazu vekehrt sie nicht wirklich haeufig. Da Busse auch nicht unbedingt empfehlenswert sind, sind Jeeps das Mittel zum Zweck. In einen normalen indischen Jeep passen 10-12 Fahrgaeste plus Fahrer, bei 8 Fahrgaesten ist die europaeische Schmerzgrenze erreicht. Wir waren zu zehnt und konnten auf den hinteren laengs liegenden Notsitzen zu viert (es wurden noch zwei englische Touristen mit reingestopft) die 88 km und 5 Stunden lange Fahrt geniessen. Ich ueberlege, ob ich vor dem naechsten Mal doch einen Joga-Kurs besuchen sollte.

Abgesehen von 21365 Schlagloechern und einem Fahrer, der vergessen hat, wo sein Bremspedal ist, verlief die Fahrt ohne Zwischenfaelle und wir kamen nach Einbruch der Dunkelheit in Darjeeling an. Erste Feststellung: kalt! Also Jacken anziehen. Zweite Feststellung: Darjeeling liegt an einem Berghang, einem steilen Berghang. So glich dann unsere Suche nach einem Quartier mitten in der Nacht mit schwerem Gepaeck eher der Besteigung des Matterhorns, schliesslich bewegt man sich dort auf ca. 2200 Metern. Wir fanden schliesslich eine unscheinbare, aber saubere Unterkunft im Hotel Tranquility. Ein nagelneues kleines Hotel von einem Lehrerehepaar aus Darjeeling gleich beim Funkturm. Von den in den Reisefuehrern gelobten Hotels "Andys" und "Aliment" konnten wir uns in den kommenden Tagen auch noch ein Bild machen und wuerden sie beide uneingeschraenkt empfehlen.

Sikkim

Nach einer erholsamen Nacht begab ich mich zum Sonnenaufgang auf das Dach unseres kleinen Hotels. Der Ausblick auf den Kandchenjunga, den dritthoechsten Berg der Erde, ist bei Sonnenaufgang atemberaubend, allerdings ist der Funkturm im Weg. Unsere wirklich sehr liebe Vermieterin kam aber bereits um diese fruehe Zeit zu uns auf das Dach und brachte Tee fuer alle und erklaerte uns viele interessante Dinge ueber die Berge, Darjeeling und den angrenzenden Staat Sikkim, den man von dort aus fast vollstaendig ueberblicken kann.

So verbrachten wir dann nach dem Fruehstueck einen schoenen und erholsamen Tag in Darjeeling. Wir besuchten den dortigen Zoo und das Himalayan Mountaineering Institute mit seinem kleinen Museum. Man guckt sich dort alte Originalausruestungsteile von Edmund Hillary und Tenzing Norgay bei ihrer Erstbesteigung des Mount Everest an und erfaehrt auch sonst einiges ueber den Himalaya und seine Bewohner. Beides sind sicher lohnenswerte Ziele. Der Rest des Tages laesst sich hervorragend mit Tee Trinken und Lesen totschlagen, bis man sich dann um kurz vor fuenf Uhr einen schoenen Platz suchen sollte um den Sonnenuntergang am Kandchenzoenga (man lege mich bitte nicht auf eine bestimmte Schreibweise fest, ich habe hier bereits ca. 10 verschiedene gesehen) zu bewundern. Bei Sonnenschein herrschen Darjeeling um diese Jahreszeit wunderbare T-Shirt-Temperaturen, wenn allerdings die Sonnen verschwindet, zieht man sich sehr gerne einen Fleece oder einen Pulli drueber.

So verbrachten wir zwei Tage in Darjeeling. Aufstehen um kurz vor fuenf - Sonnenaufgang - rumschlendern - Tee Trinken - Sonnenuntergang - Lunch um sechs - und gegen 9 ins Bett. Zu empfehlen ist hier auf jeden Fall noch ein Besuch des Tempels auf dem Observatory Hill, im Zentrum Darjeelings, gleich hinter dem Chowrasta, der einem eine ganz besondere Atmosphaere vermittelt.

Am dritten Tag verliessen wir dann Darjeeling um nach Sikkim einzureisen und das kleine Dorf Pelling zu besuchen. Von dort laesst sich momentan noch nicht viel mehr berichten, ausser dass es sehr ruhig und beschaulich ist und sich der Kandchenjunga zwischenzeitlich leider hinter einer Wolkendecke versteckt. Von hier aus werden wir in ein paar Tagen ein 9-taegiges Trekking an den Fuss dieses Berges unternehmen und in der Zwischenzeit einige kleine Wanderungen unternehmen und ein paar Kloester besichtigen und natuerlich jeden Tag um fuenf aufstehen um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen.