Die folgenden Hoehenangaben beruhen auf mehreren Quellen, zum einen der sich teilweise stark unterscheidenden Angaben der Guides und der Angaben anderer Trekker, die selbst mit Hoehenmesser ausgestattet waren. Allerdings sind die Hoehenmesser immer stark vom Luftdruck abhaengig und daher auch nicht immer wirklich genau. Ich habe daher alles einfach ein wenig gerundet.

TAG 1:

Yuksom selbst liegt auf ungefaehr 1700 Metern und unser erstes Etappenziel war die kleine Ortschaft Tshoka auf 3000 Metern. Fuer diesen Tag brauchten wir ungefaehr 6 Stunden. Der Weg fuehrt zuerst durch dichten Urwald, der ab einer gewissen Hoehe von einem Rhododendronwald abgeloest wird. Je hoeher man kommt, desto knorriger und vermooster werden die Baeume. Man ueberquert hier im ersten Teil einige Steile Schluchten auf Haengebruecken und kommt an vielen Wasserfaellen vorbei. Entgegenkommende Yak - Karawanen halten das Vorankommen immer wieder etwas auf, da man bei den Viechern ziemlich vorsichtig sein sollte. Die Tiere sind ziemlich stur und koennen etwas ungemuetlich werden, wenn ihnen etwas ihren Weg versperrt. Gluecklicherweise hoert man sie meist schon von weitem kommen, da sie naemlich alle Glocken umhaben. Man koennte sich manchmal fast vorkommen wie in den allgaeuer Alpen. Der Weg selbst war am ersten Tag sehr schoen, jedoch hat man noch kaum Aussichten, da sich alles noch in einem recht engen Tal abspielt.

Tshoka ist, wie bereits gesagt, ein kleines Dorf. Das einzige auf dem gesamten Trek und auch der einzige Punkt, wo man noch Lebensmittel oder Getraenke kaufen kann. Uebernachtet wird hier, wie an vielen anderen Punkten auch in sog. Trekkers Huts. Das sind Holzhuetten die man sich als Zwischending zwischen einer Berghuette und einem Stall vorstellen muss. Die meisten haben Holzboden, der aber vollkommen verdreckt ist, weil hier noch niemand drauf gekommen ist, dass man seine Schuhe auch draussen abstellen koennte, ausserdem zieht es an allen Ecken und Enden. Geschlafen wird entweder auf uralten Strohmatratzen oder auf dem Fussboden.

Hier in Tshoka hat man den ersten Blick auf die hoeheren Berge, z.B. den Pandim (6690m) und seine Nachbarn. Da wir am ersten Tag schoenes Wetter hatten konnten wir hier also sogar noch einen sehr schoenen Sonnenuntergang beobachten.

TAG 2:

Um sechs Uhr gibt's Tee. Und zwar an jedem Tag, ausser an den Tagen, an denen man zum Sonnenaufgang auf einem Gipfel sein moechte. Danach gibt es eine Schale warmes Wasser zum Waschen und danach Fruehstueck. Spaetestens um halb acht ist man dann auch schon auf dem Weg. Die zweite Etappe fuehrt wieder durch sehr malerische Rhododendronwaelder bis an die Baumgrenze heran nach Dzongri auf 4000 Metern. Nachdem das Ganze durch dichten Nebel zuerst noch sehr stimmungsvoll war, wurde es sehr schnell ungemuetlich, da sich aus dem Nebel Regen, aus dem Regen Schneeregen und aus dem Schneeregen Schnee entwickelte. Nachmittags waren wir dann nass und ziemlich durchgefroren in einer kleinen Huette in Dzongri und wussten zum ersten mal wirklich, warum wir die ganzen Klamotten und die guten Schlafsaecke mitgenommen hatten. Sanjit machte uns allerdings Mut. Er meinte, wenn es schneit ist es meistens am naechsten Morgen sehr schoen. Wir teilten uns den kleinen Raum mit einem netten indischen Paerchen aus Bombay (hin und wieder trauen sich auch Inder in die Berge) und zwei Guides. Das Paerchen tat uns am meisten leid. Sie waren zwar sehr gut ausgeruestet, aber sie waren noch zwei Tage vorher bei ueber 35Grad in Bombay gewesen und zweifelten an diesem Abend ganz offensichtlich an ihrer Entscheidung, diesen Trek zu machen. Dasselbe taten wir auch irgendwie, aber die Schlafsaecke waren gut und warm und wir schliefen ordentlich bis zum naechsten morgen.

TAG 3:

Um fuenf Uhr weckte uns unser Guide und meinte, wir haetten klares Wetter, ob es uns denn interessieren wuerde, vom Dzongri Peak (4100m) aus den Sonnenaufgang zu sehen. Er hatte den Satz noch nicht beendet, war ich schon fast oben auf dem Dzongri Peak. Ich wusste doch noch von Pelling, dass viertel nach fuenf der Sonnenaufgang schon voll im Gange war.

Sikkim

Ueber Nacht hatte es tatsaechlich noch weitergeschneit, so dass wir durch 10 cm tiefen Pulverschnee unsere Spur nach oben bahnten. Meine Spur! Ich war der erste oben! Das Panorama, das man nun vom Dzongri Peak aus erlebt, laesst einem den Atem doch kurzzeitig etwas stocken. Man ist umgeben von Bergen. Von richtigen Bergen. Nach vorne hin sind alle hoeher als 6000 Meter und tief verschneit. Frontal vor einem liegen die zwei maechtigen Gipfel des Kabru Nord und Sued, beide weit ueber 7000, links davon der Kumbakarna, ebenfalls ueber 7000 und rechts davon mit 8590 Metern der Khangchendzonga, der dritthoechste Berg der Erde. Auf der anderen Seite sieht man weit in die Taeler Sikkims und darueber hinaus hinunter nach West Bengalen.

Eine Stunde und gefuehlte 1000 Bilder spaeter machten wir uns auf den Weg runter zu Tee und Fruehstueck. Habe ich erwaehnt, dass es da oben so richtig sch.... kalt war?

Dieser Tag ist eigentlich der Aklimatisierungstag. Der Tag an dem man versucht, den Koerper an die Hoehe zu gewoehnen. Wir machten daher nur einen kleinen zweistuendigen Spaziergang zum Dzongri La. Das wiederum ist ein Pass auf 4200 Metern, ueber den man zum Basecamp des Khangchendzonga gelangt. Kurz vor der Passhoehe entschlossen wir uns aber abzubrechen, weil wir von der Hoehe Kopfschmerzen bekamen. Den Rest des Tages verbrachten wir vor und in unserer Huette, waehrend es zum Nachmittag hin wieder wolkig und neblig wurde.

TAG 4:

Einen nochmaligen Sonnenaufgang ersparten wir uns heute. Ich weiss nicht warum, denn eigentlich war es ja gestern sehr beeindruckend. Bereits gegen sieben Uhr nach dem Fruechstueck brachen wir erneut auf zum Dzongri La. Heute ging es dort hoch etwas besser, so dass wir nach ungefaehr zwei Stunden oben standen. Von dem Pass aus sieht man normalerweise sehr schoen auf die Kabru-Gruppe, jedoch schlugen uns heute schon am morgen die Wolken ein Schnaeppchen und wir konnten nur kurze Ausblicke auf die Gipfel erhaschen. Das schoene Panorama blieb uns leider verborgen.

Nach 10 Minuten Gipfelrast machten wir uns sofort auf den Weiterweg nach Thangsing, was nochmals ueber vier Stunden Marsch waren. Der Weg nach Thangsing wird eigentlich von Dzongri direkt, ohne Umweg ueber den Pass gemacht, denn er ist eigentlich fuer sich schon anspruchsvoll genug. Zunaechst geht es ueber huegeliges Grasland, wo der kalte Wind sich richtig austoben kann, danach folgt ein steiler Abstieg durch dichten Rhododendronwald hinunter zu einem Fluss. Nach einem kurzen Stop geht man danach noch fast zwei Stunden am Fluss bergauf, bis man eine breite freie Talsohle erreicht, wo die letzte Huette auf dem Weg steht.

Wir merkten sehr bald, dass uns der Umweg ueber den Pass heute ziemlich zu schaffen machte. Kurz nach dem Abstieg fing es bereits an zu Regnen und zu Schneien. Der steile Abstieg durch den Wald war daher rutschig und matschig und zu allem Ueberfluss wurden wir wieder richtig nass. Auch unser Guide schien sich etwas verschaetzt zu haben, denn er hatte offensichtlich in der kleinen Huette unten am Fluss kein Essensstop fuer uns eingeplant. Wir mussten aber ausgehungert aussgesehen haben, denn er fing hier sofort an, bei den anderen Gruppen einen kleinen Lunch fuer uns zusammenzubetteln. Nach dieser kurzen Staerkung machten wir uns daran, den letzten Anstieg nach Thangsing, was ebenfalls auf 4000 Metern liegt, zu bewaeltigen. Der Weg durch den Wald am Fluss, durch das trockene Flussbett und ueber ein paar Bruecken war sicherlich einer der schoensten Abschnitte bisher. Leider schneite es durchgehend weiter und wir erreichten wiederum recht erschoepft und unterkuehlt Thangsing.

Das Schlafen im Zelt bereitete dort relativ wenig Probleme, einzig die duennen Isomatten, die man uns gab, waren unangenehm. Ueber Nacht musste es draussen wohl deutlich unter Null Grad gehabt haben, denn am naechsten Morgen war der gesamte Matsch steinhart gefroren.

TAG 5:

Wie ueblich begann der Tag wieder frueh. Auch heute schien frueh morgens die Sonne, was alle dazu nutzten, sich etwas aufzuwaermen. Nach dem Fruehstueck war dann auch erst mal die ganze Kaelte und Naesse vom Vortag vergessen und wir machten uns daran, in sehr gemuetlichem Tempo das Tal nach hinten zu marschieren. Die meisten schaffen den Weg von Thangsing nach Lamunay und ungefaehr einer Stunde. Wir brauchten dafuer zwei, genossen aber dafuer den Weg um so mehr. Der Weg geht durch ein breites, sanft ansteigendes Tal, gesaeumt von fuenf und sechstausendern, bis Lamunay auf 4200 Metern. In Lamunay ist man dann bereits auf gleicher Hoehe mit dem Pandim und am Ende der Talsohle steigt das Gelaende schroff an zum Sungmoteng Lake und zum Gletscher des Khangchendzonga. Wir machten in Lamunay eine kurze Mittagspause in unserem Zelt, das bereits aufgebaut war, und machten uns im Anschluss auf den Weg zum See, der auf 4400 Metern liegt. Zwischenzeitlich hatten uns auch die Wolken bereits wieder eingeholt und es schneite leicht. Insofern war der Weg zum See nicht wirklich beeindruckend. Die Sicht hielt sich in Grenzen und kalt war es auch, wir wollten lediglich nicht auf der hoechsten erreichten Hoehe uebernachten.

Da fuer den naechsten Morgen um drei Uhr der Startpunkt angesetzt wurde, rutschten wir um sieben, nach dem Essen, in unsere Schlafsaecke und schliefen frueh ein. Eigentlich befanden wir uns ja schon die ganze Zeit in den Schlafsaecken, denn ohne hielt man es im Zelt nicht wirklich aus - wir schluepften also komplett rein und machten die Luken dicht.

TAG 6:

Wieso muss man bei so einem Wetter und so einer Kaelte ausgerechnet nachts um eins zum Pinkeln, wo der Koerper doch weiss, dass er sowieso um halb drei aufstehen wird? Um eins sah ich mir noch den Sternenhimmel an und freute mich auf den bevorstehenden Anstieg. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch bereits den Eindruck, eine leichte Erkaeltung eingefangen zu haben. Schlafen konnte ich dann bis zum Wecken auch nicht mehr. Nach einem schnellen Tee gingen wir dann um kurz nach drei los. Wir waren das zweite Team das startete. Die Temperatur wird wohl in Lamunay bei ungefaehr minus 10 Grad gelegen haben. Wir hatten auf alle Faelle fast alles an Klamotten an, was wir hatten.

Schon am Tag zuvor hat man uns gesagt, dass es zur Zeit nicht moeglich ist, zum Goecha La auf 5000 Meter aufzusteigen. Es laege immer noch zu viel Schnee. Ziel war also „nur" der Aussichtspunkt vor dem Pass, der auf 4700 Metern liegt. Auch dort lag noch ordentlich Altschnee, Neuschnee war die letzten zwei Tage nicht mehr wirklich gefallen. Viel war es allerdings nicht wirklich, ich wuerde schaetzen zwischen 30 und 40 cm. Trotzdem war ich einigermassen froh, dass der Aufstieg ganz hoch nicht moeglich war, ich waere mir naemlich nicht sicher, ob ich es geschafft haette. Ab dem Sungmoteng Lake war es nochmals um einiges kaelter als unten und ein beissender Wind machte uns zu schaffen.

Mir war klar, dass man die schneebedeckten Berge bereits ab ungefaehr halb fuenf am Nachthimmel haette erkennen muessen, man erkannte aber nichts. Und als wir dann oben standen, am Viewpoint, vollkommen am Ende und verfroren, war es bereits kurz nach fuenf. Statt den ersten Sonnenstrahlen, die dann den Gipfel des Khangchendzonga erreichen sahen wir aber nur ein graues Nichts. Wir befanden uns mitten in den Wolken mit einer Sicht von maximal 100 Metern. Rundherum konnte man die ersten Meter an den Bergen hochsehen, bis alles in diesem grauen Nichts verschwand. Sch....... Wir drehten bereits nach wenigen Minuten wieder um und machten uns auf den Rueckweg. Motiviertere Gruppen blieben noch ueber eine Stunde und hofften auf einen kurzen Ausblick, aber auch sie wurden enttaeuscht.

Nach dem Abstieg legten wir uns erst mal ins Zelt. Unser Koch machte uns schnell eine Knoblauchsuppe und wir schliefen danach nochmal fuer zwei Stunden bis um neun Uhr. Im Anschluss an das Fruehstueck machten wir uns an den Abstieg. Kurz haben wir uns ueberlegt, noch eine Nacht zu bleiben und morgen einen neuen Versuch zu starten, aber meine Erkaeltung kam mit Riesenschritten und ich fuehlte mich bereits alles andere als gut. Aergerlich, denn bereits am naechsten Morgen herrschte genau das Wetter, das sich jeder fuer so einen Aufsteig wuenscht. Sch......., und das meine ich richtig ernst.

Mit freundlicher Unterstuetzung von Aspirin schleppte ich mich wieder zurueck nach Kokchrung, der kleinen Huette am Fluss, wo wir vor zwei Tagen Rast gemacht hatten. Es schneite leicht auf dem Weg hinunter, aber trotzdem konnten wir diesmal die Landschaft noch etwas mehr geniessen, als zuvor beim Aufstieg.

Kokchrung liegt deutlich tiefer auf ungefaehr 3700 Metern, geschuetzt im Tal und ist daher bereits deutlich waermer. Die Nacht in der Huette war daher bereits fuer uns beide sehr erholsam.

Sikkim

TAG 7:

Der Tag begann so, wie wir den vorigen Tag haetten haben wollen. Keine Wolke am Himmel und eine wunderbare Sicht. Von Kokchrung aus sieht man allerdings nicht mehr zum Massiv hoch, lediglich der Pandim und seine Nachbarn stehen hoch ueber dem Tal. Zurueck nach Tshoka kann man direkt gehen, ohne den Anstieg nach Dzongri nochmals machen zu muessen. Der Weg fuehrte durch ausnahmsweise sonnendurchfluteten Wald an den Haengen entlang, ohne nennenswerte Auf- oder Abstiege. Trotzdem waren wir alles in allem sechs Stunden unterwegs, bis wir Tshoka und damit die Zivilisation wieder erreichten. Die erlittenen Fluessigkeitsverluste versuchten wir sofort mit einer 1,5 Liter Flasche Cola auszugleichen, die wir an dem kleinen Kiosk erstanden. Abends goennten wir uns dann sogar noch ein Flaeschchen Bier, ich muss allerdings sagen, dass dies nicht zu meinen besten Entscheidungen gehoert hat. Die Nacht war wiederum waermer als die vorige und vor allem schliefen wir seit einigen Tagen zum ersten Mal wieder auf Matrazen.

TAG 8

Der letzte Tag begann genauso traumhaft, wie der Tag davor. Von Tshoka aus hat man einen wundervollen Blick ueber ganz Sikkim bis Darjeeling. Unsere Crew stellte uns aus der Huette einen Tisch nach draussen und wir genossen unser letztes Fruehstueck mit einer gewaltigen Aussicht und sehr viel waermender Sonne.

Der Abstieg bis Yuksom selbst verlief ohne groessere Ereignisse. Das Wetter war schoen und warm, wir konnten schon sehr bald nur im T-Shirt gehen. Wir liessen uns einigermassen Zeit und erreichten nach fast sechs Stunden dann Yuksom. Von dort gibt es nicht mehr viel zu berichten. Eine Dusche ist nach acht Tagen, auch wenn sie nicht wirklich heiss ist, eine absolute Sensation. Genauso verhaelt es sich mit frischen Klamotten, einer hausgemachten, heissen Nudelsuppe und einem Bier, das jetzt auch wieder so schmeckt, wie es schmecken sollte.

Zwischenzeitlich sind wir wieder in Darjeeling. Damit wir uns nicht zu sehr umgewoehnen muessen, haben wir auch hier wieder schlechtes Wetter. Allerdings kann man dies hier hervorragend nutzen um zu shoppen, Tee zu probieren oder um sich im Internet zu tummeln. Ebendies wollen geschaetzte 15 andere Westler hinter mir eben auch tun, weshalb ich fuer heute zum Ende komme.